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Steuern / Umsatzsteuer 
Montag, 10.12.2018

Entgeltliche Beweidungsleistungen eines Schäfers unterliegen umsatzsteuerlich der Durchschnittsatzbesteuerung

Der Bundesfinanzhof entschied, dass entgeltliche Beweidungsleistungen eines Schäfers umsatzsteuerlich der Durchschnittsatzbesteuerung unterliegen. Aufgrund der bei der Wanderschäferei bestehenden Besonderheiten stehe dem nicht entgegen, dass der Leistungsempfänger die Beweidungsleistung aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes beziehe (Az. V R 34/17).

Der Kläger war Schäfer und unterhielt eine Schafherde. Er lieferte Schafe zu Schlachtzwecken. In den Streitjahren 2011 und 2012 erbrachte er entgeltliche Leistungen durch die Beweidung von Grünflächen mit seinen Schafen an eine Immobilienmanagementgesellschaft zur Aufgabenerfüllung beim Natur- und Landschaftsschutz. Der Kläger ging davon aus, dass er mit der entgeltlichen Beweidung von Grünflächen sonstige Leistungen i. S. von § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG erbracht habe. Im Anschluss an eine Außenprüfung war das Finanzamt hingegen der Auffassung, dass es sich um Leistungen handele, die dem Regelsteuersatz unterliegen würden. Einspruch und Klage zum Finanzgericht hatten keinen Erfolg.

Die BFH gab jedoch dem Kläger Recht. Entgegen der Entscheidung des Finanzgerichts scheitere die Anwendung von § 24 Abs. 1 UStG auf die vom Kläger erbrachten Beweidungsleistungen nicht daran, dass es sich bei diesen nicht um landwirtschaftliche Dienstleistungen handele. Die vom Kläger mit Hilfe seiner Schafe erbrachten Beweidungsleistungen seien unter Beachtung der Rechtsprechung des EuGH eine landwirtschaftliche Dienstleistung. Er sei als landwirtschaftlicher Erzeuger mit der normalen Ausrüstung seines landwirtschaftlichen Betriebs tätig geworden. Ein gewerblicher Anbieter könne die Leistung nicht in der gleichen Weise erbringen. Die Abgrasung durch Schafe sei eine urtypische landwirtschaftliche Dienstleistung. Dies zeige sich auch im Vergleich zur Pensionspferdehaltung oder der Entsorgung von Klärschlamm oder von Speiseresten. Die Beweidungsleistung trage auch zur landwirtschaftlichen Erzeugung bei, da die Weideschafe geschlachtet und zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet würden. Es komme nicht darauf an, dass die Leistung beim Leistungsempfänger zu landwirtschaftlichen Zwecken diene. Zu berücksichtigen seien schließlich die Besonderheiten bei Magerwiesen, die eine zusätzliche Fütterung erforderlich machten.

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